Spannungsfeld Popmusik, Musikvermittlung und Musiktheater für junges Publikum

Call for Papers für Bd. 4 Nr. 1

Thema: Spannungsfeld Popmusik, Musikvermittlung und Musiktheater für junges Publikum

 Musikvermittlung am Konzert- und Opernhaus anzubieten kann als Angebot verstanden werden, ein neues, insbesondere junges Publikum für klassische Musik zu begeistern. Entstanden ist dieser Ansatz u.a. angesichts eines Mangels an Nachwuchs im Publikum klassischer Musikinstitutionen. Eine Strategie dabei war es, junge Menschen, oder Menschen aus anderen Kulturkreisen, an die Praxis historisch gewachsener und für die klassische Musik spezifischer Rezeptionshaltungen heranzuführen. (Vgl. Tröndle 2011). Sich an Junge Ohren aller Altersklassen zu richten ist allerdings nicht nur Anliegen der „klassischen“ Musikvermittlung, sondern auch in zeitgenössischen, popmusikalischen und darüber hinaus populärmusikalischen Events eine häufige Herangehensweise. Genutzt werden dafür oftmals spezielle Aufführungsformate wie Podcasts, Audiobooks oder unterschiedliche Hörmedien für Kinder. Auch internationale Großevents im Pop/Rockbereich entwickeln ein spezielles Vermittlungsangebot für Familien und junge Zuschauer*innen, wie zum Beispiel das Mini-Rock Programm von Rock en Seine (Paris) das „den Festivalbesuchern von morgen einen Vorgeschmack darauf [gibt], was Musik, Rockkultur und Festivals so aufregend macht“[1]. Gleichzeitig eröffnen YouTube Music und TikTok neue kreative Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe und -nahme für jedermann, unabhängig von Stil und Genre. Auf den Bühnen des Jungen Musiktheaters wiederum ist die Popmusik schon lange kein ungewöhnlicher Gast mehr. Die scharfe Trennung von E- und U-Musik scheint kaum noch haltbar, insbesondere wenn es um den Platz von Musik in einem neuen medialen Alltag geht.

In der neuen Ausgabe von Klangakt möchten wir die Schnittstellen zwischen Popmusik, Musikvermittlung und Musiktheater für Junges Publikum reflektieren:

  • Musikalische Sozialisation: Wie verhalten sich popmusikalische Prägungen auf unterschiedlichster Ebene zu den Bereichen Musikvermittlung und Musiktheater für junges Publikum?
  • Rezeption: Wie und wo konsumieren junge Menschen Musik und wie verhalten sich hier popmusikalische Musikpraxen mit Praxen des Musikhörens klassischer Musik zueinander? Was sagen aktuelle Studien zum Rezeptionsverhalten junger Menschen?
  • Konzertkultur: An welche aktuellen Aufführungspraxen sind Menschen heute gewöhnt? Muss die Kultur des Life-Konzertbesuches, zu der u.a. eine spezifische räumliche Anordnung und soziale Interaktionen zählen, an sich vermittelt werden?
  • Genrekonstruktionen: In welcher Hinsicht unterscheidet sich der Anspruch und Ansatz des Programmaufbaus von Veranstaltung und dessen medialer Vermittlungsstrategie je nach Genre, Stil und veranstaltender Institution?
  • Produktion: Inwiefern gehen Inszenierungs-, Kompositions- und Konzeptionseben auf die Hör- und Sehgewohnheiten von einem popmusikalisch geprägten Publikum ein? Auf welchem Rezeptionsverständnis bauen heutige Musiktheaterproduktionen oder Musikvermittlungsangebote auf? Haben sich die Bedingungen an eine popmusikalische Vorprägung angepasst und ist es überhaupt noch notwendig, auf die Zweiteilung von E- und U-Musik – zumindest strategisch – Bezug zu nehmen?
  • Spannungsfeld „Genre“: Ist der sogenannte „Omnivore“, der musikalische Allesfresser der sich vorrangig im urbanen Zentrum lebend in allen Musikgenres gleichermaßen gut auskennt, ein Phänomen welches Richard Peterson und Roger Kern 1996 benennen, längst selbstverständlich geworden? Welche Aufgaben und Themenfelder bespielt die Musikvermittlung im Spannungsfeld zwischen „klassisch“ und „pop“?

Popmusik soll in diesem Rahmen als Phänomen verstanden werden, dessen Ursprungsmythos in den 1950er Jahren zu verorten ist, da sich hier die mediale Vermarktungs- und Distributionsebene von Popmusik globalisiert. Die Einbeziehung von sozialen Medien im Zusammenhang mit dem Musikkonsum junger Menschen, aber auch Plattformen, Apps, Programme oder Veranstaltungen an Konzerthäusern, die partizipative Musikpraxen in den Vordergrund stellen, sind ausdrücklich erwünscht. Im Unterschied zur Popmusik ist auch eine Untersuchung populärer Musikgenres, beispielsweise von Jazz, Schlager oder Musical denkbar, was wiederum unter dem Begriff U-Musik zusammengefasst wird.  Inwiefern kann beispielweise das Popmusical (Miras 2021), wie Lin-Manuel Mirandas Hip-Hop Musical Hamilton (2015), von Rap begeisterte Menschen für neue musikalische Formate und die Praxis des Ins-Konzert-Gehens sensibilisieren?

Dieser Call for Papers richtet sich an Personen aus musikbezogenen und interdisziplinären Arbeits- und Forschungsbereichen. Bitte reichen Sie bis zum 15.02.2026 ein kurzes Exposé (maximal 2000 Zeichen, inklusive Leerzeichen) sowie eine Kurzbiografie ein oder treten Sie mit uns in Kontakt. Dr. Clara-Franziska Petry: cfpetry@gmx.de Dr. Theresa Schmitz: schmitz.theresa@gmail.com

Einsendeschluss für die fertigen Textmanuskripte ist der 15.03.2026. Zusätzlich zum Text kann weiteres Material hochgeladen werden.

Darüber hinaus sind Literaturhinweise über bereits publizierte Aufsätze zu genanntem Thema erwünscht, diese werden in Form einer Literaturliste gesammelt oder können, sofern die Publikationsrechte des Verlages eingeholt wurden, als Zweitpublikation bei Klangakt wieder veröffentlicht werden.

Weitere Informationen zu Textformen, die Autorenrichtlinien und Upload-Möglichkeiten sowie aktuelle Ausgaben der Zeitschrift finden sich unter https://klangakt.ub.uni-muenchen.de/klangakt/index

Durch die DOI-Verlinkung unserer Beiträge sind die Texte dauerhaft, kostenlos und durch die online-Suche der Universitätsbibliotheken auffindbar. Klangakt ist eine Plattform, die möglichst viele Perspektiven abbilden, Fachcommunities zusammenbringen und Netzwerke stärken möchte. Interessierte sind ausdrücklich eingeladen, die Zeitschrift als Autor*innen, Künstler*innen, Gast-Herausgeber*innen oder als weitere beratende Personen mitzugestalten.

 

Literaturverzeichnis

  • Miras, A. 2021. The Pop Musical: Sweat, Tears, and Tarnished Utopias. Columbia

University Press

 

 

[1]             https://www.rockenseine.com/en/rock-en-seine-cest-aussi/mini-rock-en-seine/